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Die Porträtfotografie der 1920er und 1930er Jahre

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Kaum eine Gattung der Fotografie wurde so zum Spiegel der politischen Veränderung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wie das Porträt. Die Zeit der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus haben hier besonders deutliche Spuren hinterlassen.

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Arbeiterinnen der Weberei, 1938

Seit den späten 20er Jahren arbeitete der Kölner Fotograf August Sander an seinem Mappenwerk "Menschen des 20. Jahrhunderts", das ihn Zeit seines Lebens beschäftigen sollte. Sander hatte mit seinem Mappenwerk nichts Geringeres im Sinn, als das berufsständische, gesellschaftliche Gefüge der 1920er und 30er Jahre nachzuzeichnen, wobei er der bäuerlichen Welt ein besonderes Augenmerk schenkte. In diesen Jahren entstanden auf seinen Wanderungen im Westerwald eine Reihe von Bauernporträts, die sich durch ein geschlossenes, wohl überlegtes Figurenarrangement auszeichnen. Sander war weniger an den individuellen, unverwechselbaren Eigenschaften der Porträtierten interessiert, sondern versuchte vielmehr das Zeittypische und Gruppentypische herauszuarbeiten.

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Der Schuster, 1938

Die Fotografie ländlicher Typenporträts schlug in den 1930er und 40er Jahren jedoch eine andere Richtung ein. Bäuerliche Typenporträts wurde popularisiert, ideologisch aufgeladen und schließlich der nationalsozialistischen Rassenideologie unterworfen.

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Alter Mann, um 1941

Rassisch motivierte Porträtaufnahmen, wie sie Erna Lendvai-Dircksen in der Serie "Das Deutsche Volksgesicht" oder Hans und Erich Retzlaff verbreiteten, kamen den Nationalsozialisten sehr entgegen und wurden nach 1933 durch Begleittexte und Bildunterschriften entsprechend ausgedeutet. Der Übergang von idealisierten bäuerlichen Szenen zu "völkischen" Botschaften war jedoch vielfach fließend. Eine Bedeutungsverschiebung ist häufig nicht an Themen und Motiven der Fotos selbst, sondern vielmehr am gesellschaftlichen Gebrauch der Bilder, d.h. ihrer politischen "Rahmung" in Form von Publikationen und Ausstellungen festzumachen.


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