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Die Lebensbeschreibung eines bescheidenen Mannes

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Böckenhoffs Leben verlief eher bescheiden und in klar definierten Grenzen. Dennoch fand er in diesem Mikrokosmos alles was er zum Fotografieren brauchte.

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Ignaz Böckenhoff und seine
Schwestern, um 1930

Ignaz Böckenhoff wurde als sechstes von insgesamt sieben Kindern am 27. März 1911 auf einem Schulzenhof in Raesfeld geboren, einem der größten Höfe weit und breit. Das Ende der Kaiserzeit und des Ersten Weltkriegs fielen in seine frühen Schuljahre.

Im Jahr 1925 wurde der junge Böckenhoff aus der Raesfelder Volksschule entlassen. Da der inzwischen 14jährige gut lernte, erhielt er vorbereitenden Lateinunterricht und absolvierte erfolgreich die Aufnahmeprüfung für die Quarta der Borkener Rektoratsschule. Dieser neue Lebensabschnitt wurde allerdings bald überschattet vom tragischen Tod des Vaters und der beiden Brüder Alois und Hubert, die noch im selben Jahr, 1925, an Typhus erkrankten und innerhalb kurzer Zeit starben.

Sport und Fotografie: die Jugendzeit

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DJK-Fußballmannschaft, um 1930

Neben dem Lernen entwickelte der Junge bald zahlreiche Interessen. So rief er gemeinsam mit seinen Freunden einen Brieftaubenverein und einen Jugendschützenverein ins Leben und beteiligte sich 1930, ein Jahr nachdem er das "Einjährige" bestanden hatte, an der Gründung des katholischen Sportvereins Deutsche Jugendkraft (DJK) Raesfeld. Schnappschüsse aus diesen Jahren zeigen einen nicht sehr hochgewachsenen Jungen mit Brille im Kreis gleichgesinnter Kameraden. Ihre Kleidung, Hemd und obligatorische kurze Hose, weisen auf die Zugehörigkeit zur katholischen Jugendbewegung hin, deren romantische Ideale den jungen Mann und seine Freunde offenbar stark beeinflussten.

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Kathol. Jugendbewegung, um 1930

1932, nach zweimaligem Scheitern in der Oberstufe des Borkener Gymnasiums, musste Ignaz Böckenhoff die Schule ohne Abschluss verlassen. Er machte sich so gut er konnte auf dem elterlichen Hof nützlich, trieb in seiner Freizeit weiter Sport und stürzte sich in die katholische Vereinsarbeit. Daneben fotografierte er alles, was ihm bildwürdig erschien: Das waren vor allem Menschen, die er mit seiner Kamera in ihrem Tun und Handeln begleitete.

Der Zweite Weltkrieg

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Einberufung zur Wehrmacht, 1942

Als 1939 mit dem Überfall auf Polen der Zweite Weltkrieg begann, befand sich Böckenhoff auf der Nordseeinsel Juist. Aufgrund seines schlechten Gesundheitszustandes wurde einstweilen von einer Einberufung zur Wehrmacht abgesehen. Erst Pfingsten 1942 wurde er zur Luftwaffe eingezogen. Nach der Grundausbildung in Köln kam er nach Sizilien und später, im Herbst 1942, nach Griechenland. Während der darauf folgenden zwei Jahre konnte er in seinen Einsatzgebieten nach eigener Erinnerung viel fotografieren. Vom Oktober bis zum Dezember 1944 hat er als Bildberichterstatter seiner Einheit den Rückzug von Athen nach Sarajewo begleitet. Seine Leica wurde kurz vor seiner Gefangennahme im März 1945 gestohlen. Alle Aufnahmen, die er in Italien, Griechenland und Jugoslawien aufgenommen hat, sind verloren gegangen.

Die Rückkehr ins alte Leben

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Ignaz Böckenhoff, 1955

Als er im Dezember 1948 aus jugoslawischer Kriegsgefangenschaft zurückkehrte, fand er bei seiner älteren Schwester Maria Aufnahme, die als Lohnbuchhalterin bei den chemischen Werken Hüls arbeitete. Hinsichtlich der eigenen Lebensplanung erwies er sich einmal mehr als unsicher und fatalistisch. So nahm er bald sein altes Leben wieder auf. Mit einer Rolleiflex, die die lebenstüchtige Schwester während des Krieges noch rechtzeitig versteckt hatte, setzte er bald die Bilddokumentation der örtlichen Tagesgeschehnisse in Raesfeld fort. Wie vor dem Krieg war er unterwegs, um zu fotografieren und seine Filme in einer kleinen Dunkelkammer zu entwickeln.

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Arbeitsraum des Fotografen, 1951

Der Heimatverein Raesfeld realisierte 1954 eine Ausstellung mit Böckenhoff-Bildern unter der Themenstellung "Heimat im Wandel". Die öffentliche Anerkennung dürfte den Fotografen stolz gemacht haben. 1961, Böckenhoff war inzwischen 50 Jahre alt, nahm er eine schlechtbezahlte Tätigkeit als Zeitungsbote an, um zumindest kranken- und sozialversichert zu sein. So blieb er in Kontakt mit seiner Umwelt und konnte doch gleichzeitig weiter fotografieren.

Eine wohl nicht rechtzeitig erkannte Krankheit verschlimmerte sich und brachte ihn zu Beginn der 90er Jahre nach einer Beinamputation in den Rollstuhl. Doch auch jetzt sah man ihn noch gelegentlich mit seinen zwei Kameras durch Raesfeld fahren. Am 8. Juli 1994 ist Ignaz Böckenhoff in Raesfeld gestorben.


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