Der Fotograf Ignaz Böckenhoff
Ignaz Böckenhoff, um 1930
Böckenhoff, 1911 als Sohn eines Bauern geboren, war fotografisch gesehen Autodidakt. Seine erste Kamera – eine Ihagee - kaufte er 1926 als 15jähriger, in einer Zeit, in der die Heimatfotografie, d.h. die Beschäftigung mit ländlichen und bäuerlichen Themen, einen ersten Aufschwung erlebte. Fotoillustrierte und Fachbücher, die sich speziell an die wachsende Gruppe der Amateure wandten, popularisierten die Fototechnik. Zugleich propagierten sie in ihren Bildbeispielen eine neue, unheroische Sicht auf die Alltagswelt. Diese neue Sichtweise auf Menschen in ihrer alltäglichen Umgebung machte sich Ignaz Böckenhoff zu eigen.
Grundsteinlegung der
Alexanderschule, 1949
Mit dem Kauf einer Rolleiflex, 1937 und einer Leica, 1938 standen ihm technisch alle Möglichkeiten offen. Beide Kameras waren außerordentlich "schnell", sie ließen sich mit preisgünstigen Rollfilmen wahlweise in Schwarzweiß oder Farbe ausrüsten und haben mit diesen Eigenschaften die aktuelle Fotoberichterstattung und -reportage revolutioniert.
Gerade ihre Schnelligkeit kam Böckenhoffs beobachtender Herangehensweise an die Motive und seiner spontanen Bilddramaturgie entgegen.
Wie das Leben sich verändert
Die zweite Hälfte der 1930er und der Beginn der 1940er Jahre waren für Böckenhoff aus fotografischer Sicht besonders fruchtbar.
SA-Apell, 1938
Er dokumentierte mit seinen Kameras die schleichenden politischen Veränderungen, die zunehmende Ideologisierung und Militarisierung des dörflichen Lebens, den Aufbau der nationalsozialistischen Gliederungen im Ort und schließlich, kurz nach Beginn des Krieges, die Einquartierungen von Wehrmachtseinheiten. In dieser Zeit sind seine stärksten und überzeugendsten Aufnahmen entstanden.
Ein Schatz in Tausend Bildern
Truppen auf dem Sportplatz, 1939
Böckenhoff verstand es, stets den sozialen und historischen Kontext der Menschen in seinen Bildern einzufangen. Seine Dokumentation der ländlichen Lebenswelt reicht bis in Bereiche, die nur wenige Heimatfotografen als bildwürdig empfanden – und ist somit auch aus regionalgeschichtlicher und volkskundlicher Perspektive als ein besonderer Schatz zu bezeichnen.
Großmutter und Enkel, um 1945
Immer wieder überraschen die Natürlichkeit und Ungezwungenheit, mit der sich die Menschen vor der Kamera bewegen, ihre Vertrautheit mit dem Fotografen. Böckenhoff besaß ein sicheres ästhetisches Gespür für den richtigen, unwiederbringlichen Augenblick einer Aufnahme, das Eigentümliche eines einzigen Augenblicks, auch wenn er historische Ereignisse und soziale Lebenswelten dokumentierte.
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